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 Thursday, April 07, 2011
Thursday, April 07, 2011 10:47:26 AM (W. Europe Standard Time, UTC+01:00)

Eigentlich recht unüblich und daher überraschend veröffentlichte Microsoft eine Woche vor der MIX-Konferenz in Las Vegas eine Stellungsname in Sachen Silverlight und HTML5 auf dem Silverlight Team Blog und bestätigte eine dagegen weniger überraschende als vielmehr erwartete Ankündigung - die Silverlight 5 Beta wird auf der MIX veröffentlicht.

[1] http://team.silverlight.net/announcement/standards-based-web-plug-ins-and-silverlight/

Die Ausführung ist insofern zusätzlich lesenswert, da die Autoren Walid Abu-Hadba, Scott Guthrie und Soma Somasegar die führenden Köpfe hinter der Strategie von Microsoft in Sachen Evangelismus und die Entwicklung von Entwicklerwerkzeugen und -Technologien sind. Strategisch ist dieser Schritt nachvollziehbar - eine klare Kommunikation im Vorfeld einer öffentlich wirksamer Konferenz wie MIX ist die Lektion, die Microsoft schmerzlich mit der PDC-Konferenz im letzten Jahr gelernt hat. Eine nicht  ausreichend erläuterte Aussage und schon hat man mit einer Masse an Deutungen im Netz und in der Presse zu kämpfen.

Aktueller Trend in der Software-Entwicklung erinnert mich an die alten Cross Media Publishing Zeiten am Anfang des Jahrhunderts, als die Fokussierung auf medienneutrale Speicherung und die Verteilung auf diversen Ausgabekanälen die Blütezeit der ECM/WCM Systeme ankündigte.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Cross_Media_Publishing

Damals waren die Ausgabekanäle etwas anders definiert  - hauptsächlich ging es um die Vereinheitlichung der Web- und Print-Ausgaben. Auch wir haben mit AxCMS.net schon immer die Strategie verfolgt im Frontend (Kundenprojekt) vollkommen unabhängig zu bleiben - ob Microsoft ASP.NET mit MVC oder Silverlight bereichert, oder nun die Kunden HTML5 wollen - die WCM-Engine soll es verwalten und ausgeben können. Dies ist die einzig sinnvolle Strategie ..

[3] http://de.AxCMS.net

Heute sind wir sowohl in der Technik- als auch in der Geschäftswelt einen ganz großen Schritt weiter und haben mit dem aktuellen Cross-Platform Trend eine neue Dimension der Komplexität erreicht. Einfacher wurde es nicht ..

Um die Vielzahl der heutigen Geräte in Desktop-, Mobil- und Embedded-Bereichen mit unterschiedlichen  Betriebssystemen und Applikationen zu bedienen geht kein Weg an HTML in der Version 5 kombiniert mit JavaScript vorbei. Es ist insofern nur konsequent, dass Microsoft die verbesserte Unterstützung für die Entwicklung mit HTML5 ankündigt. Auch deshalb weil HTML5 entgegen oft in der Presse verlautbaren Aussagen noch weit von einem Standard entfernt ist. So dynamisch die Entwicklung der HTML5-Spezifikation und so unterschiedlich die Implementierungen in diversen Browsern sind, werden wir die déjà vu Gefühle aus den 90en Jahren nicht schnell loswerden können.

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/HTML5

Nicht destotrotz ist es ein sehr wichtiger Trend, der inzwischen auch halbfertige HTML5-Spezifikation zu einem de facto Standard konsequent etabliert. Insbesondere auf mobilen Geräten, speziell auf den Smartphones setzt sich der Trend zu den sog. hybriden Applikationen fort. Hinter diesem Namen verbirgt sich die Strategie eine native mobile Applikation als Shell um einen HTML5-fähigen embedded/mobilen Browser (meistens basierend auf der WebKit-Engine) zu bauen. Die native Applikation übersetzt und übernimmt die Kommunikation mit dem Gerät, da Browser bekanntlich diese Rolle nicht ausführen kann.

Die initiale Erstellung einer solchen hybriden Applikation bietet auf der Kostenseite wenige Vorteile gegenüber der Entwicklung einer nativen Applikation. Unter dem Strich ist es sogar meistens aufwendiger und umständlicher, da vieles nur über einen Workaround möglich ist. Beispielsweise wenn die Applikation im Stand-By Modus beim ausgeschalteten Bildschirm im Hintergrund laufen und mit der Hardware kommunizieren muss. Allerdings wird hier die "Wiederverwendbarkeit" angepriesen, einmal entwickelte Applikation lässt sich auf diverse Plattformen mit sehr wenig Aufwand übertragen und noch einfacher Pflegen.

Grundsätzlich stimmt die Aussage schon. Natürlich erzählt man hier aber auch viele Märchen und gibt Versprechen, die nie eingehalten werden können. Jeder Entwickler, der mit JavaScript etwas umfangreicher gearbeitet hat, kann sicherlich ein paar Geschichten erzählen. Aber der Trend setzt sich unaufhaltsam fort. Eines bleibt den nativen Applikationen auch in diesem Fall vorbehalten - die derzeit viel gefragte User Experience. Eine hybride Applikation ist und bleibt eine Web Seite, mit allen Vor- und Nachteilen. Sowohl die Geschwindigkeit, die Unterstützung der Hardware (bspw. Multi-Touch) sowie die nahtlosen Übergänge zwischen den Zuständen zerstören die Begeisterung der Nutzer.

Was auf den mobilen Geräten gilt, gilt natürlich auch im Web. Eine Web-Seite mit HTML5 und Ajax, sogar hardware-beschleunigt bleibt eine Web-Seite mit allen Vor- und Nachteilen. Sie mögen auf einem Desktop PC weniger ausgeprägt sein, als auf einem Tablet PC, aber sie sind da – die Seite ist nie automatisch auf allen Browsern und allen Geräten lauffähig, noch ist die Entwicklung mit nur einem Werkzeug und Framework möglich. Von einer Offline-Fähigkeit gar nicht zu sprechen. Man kann nicht magisch mit den Fingern schnipseln ..

Die Videos können mit HTML5 abgespielt werden. Neue Entwicklungen wie Smooth / Adaptive Streaming und Mehrkanalton bleiben außen vor. So ist es mit fast allen Funktionen – die Cross-Platform Fähigkeit kauft man sich mit den Abstrichen im Funktionsumfang und einer fragmentierten Entwicklung.

Die HTML5-Spezifikation steht für viele für das standardisierte offene Web, in dem die Hürden überwunden und sowohl die Themen rund um User Experience als auch die fehlende Funktionalität gelöst werden. Eine Traumvorstellung. Leider aber auch nicht viel mehr als Wunschdenken im echten Leben, vor allem in den nächsten Jahren.

Es existiert keine goldene, immer richtige Vorgehensweise. Am Ende bleibt immer die Wahl der besten Vorgehensweise für das eigene Benutzerszenario.  In manchen ist die Entwicklung mit Flash und Silverlight sinnvoll, in manchen reicht HTML5 in jedem Fall. Es ist aber in beiden Fällen wichtig, dass die Entwicklung mit vernünftigen Werkzeugen und Frameworks durchgeführt werden kann. Und das ist die spannendste Fragestellung im Moment.

Insofern: Silverlight ist nicht tot, Flash ist nicht tot, HTML4 ist nicht tot, HTML5 ist nicht die ultimative Lösung. Wir sind noch nicht fertig ..


PS: und auch nicht allein mit der Problematik :-)