Mein Besuch in Brüssel war erneut eine sehr lehrreiche Erfahrung für mich. Die aktuellen Ergebnisse der Beschlüsse des Lissabonner Abkommens standen im Mittelpunkt der Gespräche sowie die neuen Initiativen, die das Paket wirtschaftlicher Reformen in Rahmen der Lissabonner-Strategie erweitern sollen. Noch vor zwei Jahren waren Deutschland, Frankreich und Italien, die gemeinsam die Hälfte der EU Wirtschaftskraft ausmachen, die absoluten Bremser, heute sieht es zumindest aus deutscher Sicht etwas optimistischer aus. Dennoch sind wir meilenweit von der angestrebten Zielsetzung entfernt, die EU zum wettbewerbsfähigsten Wirtschaftsraum der Welt bis 2010 zu verwandeln. Meine Kollegen aus anderen Ländern fragten mich, wie bekannt die Arbeit der EU-Kommission in Deutschland ist. Ehrlich gesagt konnte ich diese Frage nicht beantworten, aber ich nahm an, dass ein paar Informationen nicht schaden können.
Einer der für mich spannendsten Bereiche ist "Directorate General for Enterprises and Industry" [1] (kurz DG Enterprise). Dieser Bereich wird von Günther Verheugen geleitet, einer Person die zumindest in Deutschland recht bekannt sein sollte. Und dieser Bereich ist für den Mittelstand am wichtigsten.
Eine der Themen, die DG Enterprise fokussiert, betrifft die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Europa und dient der Förderung von Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in der europäischen Wirtschaft - durch die EU-Mitteln mit dem Ziel einer Vollbeschäftigung (Ziele muss man haben). Der KMU-Portal [2] bietet Zugang zu Informationen über das gesamte Spektrum der Politiken, Rechtsvorschriften, Programme und Initiativen der EU, die für die kleinen und mittleren Unternehmen Europas relevant sind. Insbesondere zu den direkten Förderprogrammen, die EU-Mitteln den KMU zur Verfügung stellen. Wer daran Interesse haben sollte, sollte sich unbedingt umschauen.
Der Portal erläutert die unglaublich breite Palette der Themen, die DG Enterprises SME belegt - von der "Förderung des Unternehmensgeistes", über die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der KMU bis hin zu den europaweiten Diensten, wie bspw. den EU-Verbindungsbüros für Forschung und Technologie (Innovation Relay Centres, IRC).
Diese Breite ist auch dafür zuständig, dass die Masse an Informationen und Links ins unermässliche steigt und die Vertreter der KMU sich damit auch nicht weiter beschäftigen - es fehlt die nötige Zeit und an den Erfolg einer Anfrage glaubt man auch nicht. Dies war nicht die Zielsetzung und wiederspricht der eigentlichen Rolle des Bereichs. Die EU-Mittel stehen zur Verfügung, die Programme sind definiert, nur es nutzt sie keiner, weil keiner so weit kommt. Deshalb wird derzeit an einer Vereinfachung gearbeitet um den direkten Zugang zu ermöglichen.
[1] http://ec.europa.eu/enterprise/index_en.htm
[2] http://ec.europa.eu/enterprise/sme/index_de.htm